Einsatz-Gerüst-System (EGS)

Das Einsatz-Gerüst-System (EGS) ist ein standardisierter Baukasten aus Gerüstbauteilen und als solcher der 1. Bergungsgruppe zugeordnet. Mit ihm können im Einsatzfall schnell verschiedenste Konstruktionen errichtet werden, die der Sicherung von Gebäuden, dem Materialtransport oder dem Überwinden von Hindernissen dienen (Beispiel siehe unten).

Das EGS besteht dabei aus vier Bausätzen. Mittlerweile sind die meisten Ortsverbände mit allen vier Bausätzen ausgerüstet und können damit auch kompliziertere Konstruktionen alleine stemmen. Durch die einheitliche Beschaffung der Teile können die EGS von verschiedenen Ortsverbänden allerdings auch problemlos kombiniert werden. Sollten beispielsweise größere Wandabstützungen oder Hochwasserstege benötigt werden, kann einfach der nächste OV angefordert werden.

Zusammen mit dem Hersteller hat die THW-Leitung ein Handbuch herausgegeben, um den Umgang mit dem EGS zu dokumentieren. Das Personal der Bergungsgruppen ist entsprechend geschult. Mit dem Handbuch wird auch eine umfangreiche Sammlung von Standartkonstruktionen beschrieben, die die wesentlichen Einsatzbereiche abdecken. Vorteil dieser Standartkonstruktionen ist die bereits durchgeführte, statische Berechnung. Sie können also auch ohne Abnahme durch einen Gerüstbaumeister eingesetzt werden.

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Interessieren Sie sich für unsere Spezialausstattung, unser Know-How oder unsere Manpower, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. In einem persönlichen Gespräch können dann Einsatzoptionen und -modalitäten besprochen werden.

Zahlen und Fakten

  • Knapp 2 Tonnen bringen die EGS-Teile der vier Bausätze auf die Waage.
  • Aus mehr als 250 Einzelteilen lassen sich unzählige Konstruktionen zusammenbauen.
  • Bis zu 15 kN trägt eine einzelne Vertikale!
  • Die Gestaltung des Gerüsts bringt es mit sich, dass Längs- und Querträger identisch und damit austauschbar sind.
  • Das EGS ist komplett metrisch: Die Kupplungsteller haben einen Abstand von 50cm, Querriegel sind 1 bis 3m lang.

Hilfreiches

  • EGS Materiallisten.pdfMateriallisten aller gängigen Konstruktionen zum Ausdrucken.
  • EGS Materiallisten.zipDie Materiallisten als Excel-Datei zum Verändern und Erweitern. Achtung: Die Datei enthält ein Makro, welches dynamisch die Bilder verändert!

Einsatzoptionen (Beispiele)

Höhen und Tiefen

Bild: Plettac

Dreibock

Der Dreibock ist einer der einfachsten Konstruktionen des EGS. Der bestechende Vorteil von drei Beinen: Es kann nicht kippeln. Mit zwei Helfern ist er in weniger als fünf Minuten errichtet. Im senkrechten Zug ist der Dreibock bis 3 kN belastbar.

Eingesetzt wird er zum Herablassen von Personen in Schächte oder Brunnen, Hochziehen von Material oder zum Halten eines Rostes mit Grillgut.

Mastkran - Bild: Plettac
Lastarm - Bild: Plettac

Mastkran/Lastarm

Der Mastkran funktioniert wie der Dreibock - nur dass statt des dritten Standbeines eine Fixierung per Leine an einem Gewicht, an Erdnägeln oder der Winde eines Fahrzeuges erfolgt. Ähnlich konstruiert wird der Lastarm - nur dass dieser statt einer Fixierung per Leine an einen gegenüberliegenden Festpunkt angelehnt wird.

Eingesetzt wird er zum Transport von Personen und Material in Schächte, Baugruben oder Keller. Die Konstruktionen können analog zum Dreibock mit 9 kN belastet werden.

Bild: Plettac

Einspann-Ausleger

Der Einspannausleger dient ebenfalls als Anschlagpunkt zum Transport von Personen oder Material in vertikaler Richtung. Er wird dazu innerhalb eines Gebäude aufgebaut und zwischen Boden und Decke verspannt. Der Ausleger reicht dann aus dem Fenster hinaus. Auch der Einspannausleger kann mit 9 kN belastet werden.

Bild: Plettac

Lastausleger

Der Lastausleger ist eine Konstruktion zum vertikalen Personen- oder Lastentransport. Er kann dazu beispielsweise auf dem Dach eines Gebäudes errichtet werden und ragt dann knapp einen Meter über die Dachkante hinaus. Er kann statt einer Fixierung mit Erdnägeln auch beschwert werden, was den zerstörungsfreien Einsatz auf dem Gebäude ermöglicht (im Gegensatz zum Lastarm).

Die Belastbarkeit hängt direkt von dem Gewicht der Beschwerung ab, maximal jedoch 10 kN.

Stützen und sichern

Bild: Plettac

Wand- und Deckenstütze

Die einfachste Variante zur Stabilisierung von Wänden und Decken ist diese Verspannung mit einer Vertikalen - die im Falle einer Wandabstützung entgegen ihres Namens auch horizontal eingesetzt wird. Sie kann auch als Grabenstütze dienen.

Die Tragfähigkeit ist abhängig von der Länge der verwendeten Vertikalen und variiert damit zwischen 15 kN (2 m) und 5 kN (4 m).

Bild: Plettac
Bild: Plettac

Wandabstützung

Mit der Wandabstützung lassen sich einsturzgefährdete Wände abstützen, bei beispielsweise durch ein Feuer oder eine Explosion beschädigten Gebäuden. Die Größe hängt dabei von den aufzunehmenden Kräften ab.

Das 'kleinste' Element hat eine Grundfläche von 2x1 Meter und eine Stützhöhe von 2 Metern. Pro an der Wand liegendem Fuß können Kräfte von 9 kN (~900 kg) abgestützt werden - pro Element also 36 kN (~3,6 to).

Die Abstützelemente können kombiniert werden. Mit den in unserem OV vorrätigen Teilen sind Abstützungen bis 4x2 Meter abbildbar (stützen 8,1 kN). Mit den EGS anderer Ortsverbände sind aber Wandabstützungen nahezu beliebiger Größe abbildbar.

Bild: Plettac

Deckenabstützung

Mit der Deckenabstützung lassen sich Decken- und Bauwerksteile sichern. Je nach Konstruktionsart lassen sich damit Decken in Höhen von 2 bis 5 Meter stufenlos abstützen. Dank der stabilen Ausführung können pro Senkrechte Druckkräfte von bis zu 25 kN aufgenommen werden - die gesamte Deckenabstützung nimmt damit Kräfte bis zu 100 kN (~10 to) auf. Die Grundfläche beträgt dabei 1m².

Arbeiten und überqueren

Bild: Plettac

Rettungsplattform

Die Rettungsplattform ist eine aufwendigere, platzeinnehmende Konstruktion und ermöglicht den Rettungskräften die Arbeit über dem Erdniveau. Durch ihre Größe erlaubt sie auch den Einsatz von schweren Geräten oder eine erste Verletztenversorgung. Sie kann beispielsweise bei Zugunglücken eingesetzt werden, um eine Arbeitsfläche auf Höhe der Zugfenster zu schaffen.

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Bild: Plettac

Freitragender Steg

Der Steg dient der Überwindung von Erdgräben, Bächen oder sonstigen Hindernissen. Mit Modifikationen kann er sogar für Publikumsverkehr eingesetzt werden. Je nach Ausführung überspannt er 6 bis 9 Meter freitragend - also ohne notwendige Abstützung in der Mitte.

Bild: Plettac

Hochwasserlaufsteg

Der Hochwasserlaufsteg kommt vor allem bei Hochwassern zum Einsatz und bildet hier einen behelfsmäßigen Verkehrsweg für Einsatzkräfte und Publikum. Das Material eines Ortsverbandes reicht für einen Laufsteg von bis zu 18 Metern. Die Maximalbelastung darf 5 kN/m² nicht überschreiten, pro Feld also knapp 1,5 to.

Bild: Plettac

Desinfektionsschleuse

Die Desinfektionsschleuse ist die definitiv anspruchsvollste Standart-Konstruktion. Sie dient als Arbeitsbühne zur Reinigung, Desinfektion und Dekontamination von PKWs und LKWs. Die Durchfahrtshöhe beträgt dabei 4 Meter.

Zum Aufbau der Schleuse ist das Material eines zweiten Ortsverbandes notwendig.

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